Ein Kreis schließt sich …

PRE-INDUSTRIALISIERUNG + POST-CORONA = TEAMS (DEZENTRAL) MIT VERANTWORTUNG (GEMEINSCHAFTLICH) UND HEIMAT (FLEXIBEL)

Der Videocast von The Economist regt an und die gemeinsame Diskussion mit den Möglichmacher*innen öffnet Augen, Verstand und Herz: Geht es jetzt wirklich um das neue Ausbalancieren von Büro und Homeoffice? Und die wichtige Frage nach dem „WHY“: Wofür ist das Treffen im Office eigentlich gut (und wofür auch nicht)? Rückblickend betrachtet: Woher kam eigentlich die „Gewohnheit“ im Büro zu arbeiten? Gibt es diesen Grund heute noch? Und brauchen wir das noch in der Zukunft? Wenn ja, wofür genau? 

Den Fragen auf den Grund gehen …

Historisch gesehen: Vor der Industrialisierung haben die (freien) Menschen Leistungen oder Ergebnisse verkauft: Der Korbmacher oder der Schmied haben in großem Umfang selbst entschieden, wann sie wie viele Körbe oder Hufeisen erstellen. Sie haben sich ihre Tage/Wochen eingeteilt und hatten es zum Teil selbst in der Hand, wie sie wann produktiv sein wollten. Die Industrialisierung hat im ersten Schritt diese „teilautonomen Selbstständigen“ zu (zunehmend unselbständigen) Arbeitern*innen gemacht und – zentralisiert um die Energiequelle Dampfmaschine – mit gleichen und kontrollierten Arbeitsschritten sowie Arbeitszeiten versehen, nach denen sie bezahlt wurden.

Im nächsten Schritt haben die Unternehmer das Prinzip auf die indirekten Tätigkeiten übertragen: Buchhaltung, Rechnungswesen, Disposition etc. Großraumbüros, Bürovorsteher … gleiche Arbeitszeiten (früher von „6 to 6“, heute „9 to 5“). Auch hier wieder: Getauscht wird die Zeit für Geld – nicht wie früher das Ergebnis, die Ware oder das Werk.

Es zogen viele Menschen vom Land in die Städte, mittlerweile haben sich Ballungszentren rund um die Industrien bzw. attraktive Unternehmen entwickelt. Verkehrsprobleme, wenig kinderfreundliche Betonstädte, Luftverschmutzung etc. sind negative Folgen

Mit Abstand drauf geschaut

Das Grundprinzip hat sich wenig geändert. Obwohl sowohl Arbeitsmittel als auch Digitalisierung (Computer, Web, Cloud, Video etc.) das tägliche und für alle gleich geregelte Zusammenkommen im zentralen Büro nicht notwendig machen. Und nach wie vor: Die Menschen wohnen dafür in oder in der Nähe von Ballungszentren, geben dort viel Geld für Mieten und teure Lebensführung aus, haben dennoch lange, unproduktive Wegzeiten

Die wichtige Frage nach dem „Why“

WOFÜR IST DAS TREFFEN IM OFFICE EIGENTLICH GUT?
(UND WOFÜR AUCH NICHT?)

Letzteres haben wir alle im Shutdown erlebt, oder!? Ich habe gehört von Entschleunigung und Konzentration durch wenige(r) Unterbrechungen, also konzentriertes Arbeiten am Stück. Ich habe von Managern gehört, dass Zeit, Raum und Ruhe für die strategischen Fragen war … oder war es der Abstand der Möglichmacher*innen?

Wir selbst haben erst gestern im Team wieder die letzten 6 Wochen ausgewertet und die nächsten 4 Wochen nach vorne verabredet! (siehe unser Whitepaper zum Phönix Tool „Neue Realität“)

  • Einige bis viele Einzelarbeiten – insbesondere mit Konzentration – gehen Zuhause besser.
  • Auch die Atmosphäre spielt für manche Arbeiten eine Rolle (diesen Text schreibe ich z. B. im Garten besser als am Schreibtisch).
  • Meetings funktionieren disziplinierter und die Leute sind teilweise pünktlich(er) und vorbereitet(er).
  • Es zu mehr Energie führt, dass man/frau nicht mehr die viele Logistikzeit hat (zur Arbeit, zum Termin etc.)  

UND WOFÜR IST DAS OFFICE BZW. DIE BEGEGNUNG GUT?

Die Möglichmacher*innen aus remote think.tank#3 + Stream#1 Teams sind sich einig: Es gibt wichtige Gründe, betriebliche Funktionen und Interessen, dass Mitarbeiter sich physisch treffen! Es braucht neben der Abstimmung von Information auch Nähe. Die Wahrnehmung mit allen Sinnen, die zu Vertrauen von Mensch zu Mensch führt. Meno Requardt (VW Immobilien) formulierte es so schön: „das Miteinander durchs Leben gehen fehlt! Die zufällige Begegnung, die den persönlichen Austausch ermöglicht, das Gespräch auf dem Flur …“ (Hier das ganze Interview mit u.a. Meno Requardt)

Dann das Thema Kooperation bei Geistesarbeitern: Offensichtlich sind anspruchsvolle Problemlösungen oder Kreativitätsprozesse remote bisher wenig gelungen. Auch hier hilft es, wenn mich die Stimmung, die Atmosphäre anstachelt, begeistert, beflügelt. Und zu guter Letzt, sagt z. B. Dirk Schulte: „Wie entsteht Bindung und Identifikation von Mitarbeiter ans Unternehmen aus dem Homeoffices heraus? Sehen aus der Perspektive nicht alle Unternehmen gleich aus?“

Also zusammengefasst

Identifikation mit meinem Team/Unternehmen, schwierige Konflikte und Probleme, anspruchsvolle Arbeit und Ergebnisse, die unterschiedlichen „Fakultäten“, Kreativität und Energie brauchen … ja was nun – das Büro???

Ich meine: Echte Begegnung, wiederholt erlebt, mit allen Sinnen, Erlebnis und Wirkung von Gemeinschaft ist super wichtig und „conditio sine qua non“!!! Aber es ist kein Grund, dass jede(r) in Kernarbeitszeiten im Büro sitzt. Das können wir anders besser organisieren! 

Und brauchen wir das Büro noch in der Zukunft? Wenn ja, wofür genau?   

Hier hat uns das Video von The Economist inspiriert:

Covid-19: is working from home really the new normal? | The Economist

THE ECONOMIST POSTULIERT, DASS …

  • wir nur 1/3 der Bürofläche benötigen (und dadurch die Firmen enorme Kosten sparen)
  • wir uns für besondere Gemeinschaftserlebnisse (Company + Teamspirit, Teamentwicklung, Kick-off Projekt, Mediation etc.) in der Firma treffen (… aber nicht im Büro 😉 )
  • die Firma „Innen“ für diese Zwecke ganz anders gestaltet werden darf …
  • auch für die Menschen, die gerne im Büro konzentriert arbeiten wollen
  • es neben den Home Offices ergänzende Treffen in lokalen Hubs geben wird, dadurch die „alte“ Gastronomie und Dienstleister eine neue Chance für moderne Geschäftsmodelle auch in Provinzen bekommen
  • dadurch der Unterschied zw. Provinz und Metropole in eine neue Balance kommen kann
  • als Folge davon z. B. durch weniger Reisen sich die Umwelt nachhaltig regenerieren kann …

Ein erstes Fazit + Ausblick nach zwei Diskussionsrunden mit den Möglichmachern:

  1. Auf den ersten Blick geht es um eine neue Ausbalancierung von Büro und mobilem Arbeiten.
  2. Eigentlich geht es aber um vernetzte, produktive Teams, die Ergebnisse verantworten und dafür kompetent ihre Arbeitsweise skalieren wollen, können + dürfen.
  3. Gleichzeitig hat das Unternehmen Interessen und Bedarfe, die darüber hinaus gehen. Z. B. wollen sie Wert und Identität für ihre Mitglieder stiften und sie damit an sich binden.
  4. Corona und technologiebedingt liegen einige echte Chancen auf der Straße, die Menschen, Regionen und Umwelt gut und besser tun.

Ohne Ziel ist jede Maßnahme richtig!


Das stimmt gerade in diesem Kontext mit soviel Gewohnheiten, Haltungen und auch Pfründen: Ohne Ziel und „WHY“ werden wir eine „sinnlose“ Diskussion führen, bei welcher der gemeinsame Nenner auf jeden Fall klein ist. Und es ist schwer, aus der heutigen Welt, den heutigen Rahmenbedingungen und z. B. Regelungen und Anforderungen an Homeoffice zu denken.

Das einzige, was hilft, ist in Abstand zu gehen, es konsequent aus der Zukunft zu denken. Dafür gibt es eine wunderschöne Methode: DER U-WORKSHOP! (Theory U von Otto Scharmer für alle Interessierten/unser Whitepaper zum U-Workshop für die Praktiker)

WAS WERDEN WIR TUN?

STRÖMER, LAURA „PIPPI“ & DIE MÖGLICHMACHER HABEN SICH VERABREDET …

  • Wir werden eine „Future Search-Konferenz“ zum Thema „New Work 4.0“ (Arbeitstitel) nach der Sommerpause durchführen.
  • Wir werden Ziele und Visionen kreieren und das Wofür ist es gut („WHY“) postulieren.
  • Wir werden Lösungen und Ideen zu Varianten und Szenarien von Lösungen verbinden.

WER IST DABEI?

Sieben Unternehmen und noch mehr Möglichmacher*innen haben sich spontan bereit erklärt: Goldbeck, VW Immobilien, BVG, Xylem, Dr. Oetker, Rewe bzw. Penny International, das IFH Köln, hagebau connect, Douglas …
WER WILL NOCH MITMACHEN!?

DU MÖCHTEST AUF DEM NEUSTEN STAND BLEIBEN? WIR BENACHRICHTIGEN DICH!

Christoph Strömer
christoph.stroemer@pm-result.com


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